FRAGMENT

Ipke Starke: FRAGMENT
(Das Kapital ist soviel Wert, wie es Elend produzieren kann.)

Performatives Konzert
für Akkordeon, Live-Elektronik, Spielmannszug und Video
Erstaufführung Schaubühne Lindenfels, Leipzig, Oktober 2014

Komposition: Ipke Starke
Akkordeon: Eva Zöllner
Video: Ute Richter
mit dem Spielmannszug Mutzschen
Saal-101 (2)

Ipke Starke (Komposition) studierte Musik in Leipzig und Paris und arbeitete anschließend als Assistent für computergestützte Komposition am Pariser IRCAM. Seit 2000 hat er eine Professur für Tonsatz und Elektroakustische Komposition an der Hochschule für Musik in Leipzig. Sein Werk
umfasst künstlerische Arbeiten für instrumentale Besetzungen, elektroakustische Medien und genre-überschreitende Projekte.

Ute Richter (Video) studierte Bildende Kunst in Berlin, Dresden und Paris. Sie entwickelt orts- und kontextbezogene Installationen und arbeitet medienübergreifend in unterschiedlichen Kontexten. Ihre Arbeiten umfassen Zeichnung, Video, Installation und Intervention im öffentlichen
Raum und in Printmedien. Seit 2006 lehrt sie an der TU Dresden im Fachbereich Architektur.
Saal-64 (2)
PROGRAMM
Dauer 60ʻ
I Signal/Fanfare
II Marsch.Maschine
III Nachtarbeit
IV Lied der Arbeit, Morsecode
Turneraufmarsch, Wien 1923/29 Video
V Choral der Arbeitsmoral
VI Lied des Rattenfängers I
Arbeit ist Hoffnung/Spielmannszüge Video
Organized Sound Einspielung
Edgard Varèse, Interpolation1 aus Déserts, 1954
Sylvianer Marsch/Fanfarenmarsch Olympia SPIELMANNSZUG MUTZSCHEN
Deutschmeister Regimentsmarsch
Heimgekehrt Videotext
VII Freizeit. Nichts zu tun. Nichts.
Karrieregespräche Einspielung
Landschaft Videotext
VIII Einzug der Zombies Akkordeon

Projektinfo als pdf: Starke Zoellner Fragment

FRAGMENT (Das Kapital ist soviel Wert, wie es Elend produzieren kann.)*
* Zitat: Georg Seeßlen (2014)
Rekrutierung. Rattenfänger. Körper und Instrument. Das Lied der Arbeit: „Die Arbeit, sie bewegt die Welt! Die Arbeit hoch! Die Arbeit hoch!“ klingt besonders schön, wenn es Leute mit Schlips und Anzug singen. Raus aus der Montur! Wer will schon gerne arbeiten? Tätigkeit statt Arbeit. Dieser Abend verspricht Vergnügen und geselliges Beisammensein, inklusive aller Folgen.
An diesem Abend ist das Akkordeonspiel schon eine Performance für sich. Die unterschiedlichen Titel sind dramaturgisch aufgebaut und entwickeln im Wechsel mit der Live-Elektronik und den Videoeinspielungen eine inhaltlichen Spannung, die zwischen Klang, Bild und
Wort im Raum entsteht. Die einzelnen Elemente des Abends lassen im Gesamtablauf ganz unterschiedliche Assoziationen beim Hörer entstehen und eröffnen Erinnerungsräume (bis in die Zukunft hinein). Das „Lied der Arbeit“ wird auf dem Akkordeon gemorst, asynchron zu frühen Filmaufnahmen vom Massenturnen. In diesen Bildern löst sich der Mensch auf, in der Masse wird er Teilchen. Mit dem performativen Auftritt des Spielmannszuges bricht dann plötzlich die Gegenwart herein. „Die Trommel ruft“ – der mitreißenden Gewalt seiner Märsche kann sich niemand entziehen. Am Ende des Abends verschweißt der Klang die Akkordeonistin körperlich dermaßen mit ihrem Instrument, dass sie durch die Intensität ihres Spiels zum Zombie wird. Zwischendurch werden die Abläufe der Spielleute im Video auf der Leinwand im Saal zum choreografischen Tanz. Unterschiedliche Rythmen gaukeln Beschleunigung vor. Aber alles ist Echtzeit, (wie im wirklichen Leben). „Nachtarbeit“ bringt Entspannung in der Ruhe und Konzentration. Und mit „Freizeit. Nichts zu Tun. Nichts.“ öffnet der Moment klanglich zur Muße. Der Abend FRAGMENT ist der Beweis dafür, dass zeitgenössische Musik inhaltlich und unterhaltend sein kann. Ute Richter Oktober 2014

Bewegung, Körper, Klang …. all das spielt beim Musizieren zusammen. Das Akkordeon ist ein sehr körperliches Instrument. Es ist eng mit dem Körper des Interpreten verbunden, überträgt dessen Atem und Regung auf eine klangliche Ebene. Trotz dieser Sensibilität ist es auch
ein Instrument, das einen schwer arbeiten lässt: 16 Kilo wollen bewegt und kontrolliert werden. Dieser physische Ansatz ist ein zentrales Thema von FRAGMENT. Es geht an die Grenzen (von Instrument und Interpret), schafft dadurch eine faszinierende Energie und definiert die Rolle des Musikers im Kontext des Gesamtkonzeptes neu. Eva Zöllner Oktober 2014

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